Darmsanierung

Eine Darmsanierung lässt sich zeitlich schwer eingrenzen. Erfahrungsgemäß, je nach Anamnese, liegt eine Therapie bei 6 – 18 Monaten und sollte nicht unterschätzt werden.

Häufig sind gestörte Darmgesundheit und ein unausgeglichenes Mikrobiom (Darmflora) die Ursache vieler Beschwerden bei Hunden und Katzen. Der Darm und seine Besiedlung mit Mikroorganismen spielen eine entscheidende Rolle für das Immunsystem, sowohl bei Tieren als auch bei Menschen. Symptome wie chronischer Durchfall, Futterverweigerung, Gewichtsverlust oder übermäßiges Fressverhalten können auf eine gestörte Darmflora hinweisen.

Auch Allergien, Haut- und Ohrenentzündungen können mit einer unausgeglichenen Darmflora zusammenhängen. Eine einfache Kotprobe und eine Darmflora-Untersuchung können Aufschluss über den Gesundheitszustand des Darms geben und uns dabei helfen, gezielte Maßnahmen zur Unterstützung zu ergreifen. Dies kann nicht nur dem Tier, sondern auch den Besitzern zugutekommen.

Welche Auswirkungen kann eine gestörte Darmgesundheit haben?

Das Verdauungssystem, bestehend aus Magen-Darm-Trakt, ist äußerst komplex. Die Verdauung beginnt bereits im Mund und endet am After. Eine reibungslose Funktion von Magen, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm, Dickdarm sowie ein gesundes Darmmilieu und eine intakte Darmschleimhaut ist entscheidend für eine gute Verdauung und Nährstoffaufnahme. Wenn eine oder mehrere dieser Komponenten aus dem Gleichgewicht geraten, hat dies Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Die Magensäure mit ihrem pH-Wert von 1 bis 1,5 spielt eine wichtige Rolle bei der Eiweißverdauung und schützt vor krankheitserregenden Keimen wie Helicobacter pylori.

Im Dünndarm werden Nahrungskomponenten durch Enzyme der Bauchspeicheldrüse in kleinste Bestandteile zerlegt, die dann von der Darmschleimhaut aufgenommen und für den Zellstoffwechsel genutzt werden. Eine gestörte Enzymproduktion kann die Verdauung beeinträchtigen und schwerwiegende Folgen haben. Die Darmbarriere im Dünndarm kontrolliert den Durchtritt von Substanzen in den Blutkreislauf. Eine gestörte Barriere kann das Immunsystem aktivieren. Im Dickdarm werden unverdaute Bestandteile durch Bakterien fermentiert, Wasser und Gallensäure resorbiert und der Kot geformt, bevor er ausgeschieden wird. Die Darmflora besteht aus verschiedenen Bakteriengruppen wie Immunflora, Protektivflora und Mukonutritivflora.

Die Immunflora trainiert das Immunsystem und sorgt für ein Gleichgewicht zwischen den Immunzellen, um eine Fehlprogrammierung der Körperabwehr zu verhindern. Die Protektivflora, auch Schutzflora genannt, säuert das Darmmilieu an, um die Besiedlung mit krankheitserregenden Keimen zu verhindern und stärkt die Darmbarriere, um Darmentzündungen und einen löchrigen Darm  („leaky gut“) zu vermeiden. Die Mukonutritivflora bildet Schleim und ernährt die Darmzellen, um eine gesunde Schleimhaut aufrechtzuerhalten. Eine gesunde Darmflora kann durch minderwertige Futtermittel, Medikamente, Umweltgifte und Zusatzstoffe aus dem Gleichgewicht geraten, was zu einer Schädigung der Darmschleimhaut und einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand führen kann. Dies ermöglicht pathogenen Keimen wie Blähungen, Durchfall, häufigem Stuhlgang, Erbrechen und Verhaltensänderungen. Unverdaute Proteine im Dickdarm können giftige Stoffwechselprodukte erzeugen, die die Leber überlasten und Entzündungen im gesamten Körper verursachen können. Eine durchlässige Darmwand ermöglicht unerwünschten Substanzen den Eintritt in den Blutkreislauf und löst eine übermäßige Reaktion des Immunsystems aus. Dies kann zu Futtermittelintoleranzen, Allergien oder sogar Autoimmunerkrankungen führen.

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